Neulich auf’m Sportplatz

von D.Skusa 7 Juli 2010

Glosse von Dietmar Skusa

Ich hab ja nu keine Ahnung vom Fußball. Aber weil mein Lütter, der ja mittlerweile schon ein Großer ist, so gerne spielt, guck ich mir die Spiele auch an. Mensch, wenn der in der Schule genauso viel Einsatz zeigen würde… Oder wenn er den Müll runterbringen soll, kann er nicht laufen, aber auf’m Platz, da rennt er, als wär der Teufel hinter seiner Seele her.

Na ja, und mich freuts natürlich auch, wenn ich seine Freude sehe und es gibt sicherlich schlechtere Freizeitbeschäftigungen als Fußball spielen. Aber manchmal – selten, aber manchmal -  wissen se, nee, da weiß ich auch nicht… Da gibt es Eltern, die verrückt spielen, Trainer, die völlig aus dem Ruder laufen und Schiedsrichter…meiiiin Gott.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, Schiedsrichter ist ja auch’n blöder Job. Wenn er gut pfeift, sagt keiner was und wenn er Fehler macht, sind se alle am Meckern. Und die meisten machen das ganz ausgezeichnet. Und Fehlentscheidungen gehören nun mal zum Fußball dazu, so’n Schiedsrichter ist halt Mensch und Menschen machen nun mal Fehler. Das müssen die Jungs auch lernen.

Aber neulich, nee… wie der sich aufspielte. Schon bei der Passkontrolle… meckerte an den Bildern rum. Sind wir hier bei „Germanys next Topmodell“ oder was? Dann machte er den Jungs erst mal klar, dass das ganze Spiel eine bierernste Angelegenheit sei und er alles, was ihm nicht passte, sofort mit gelb bestrafen würde. Und man merkte ihm an, dass ihm so einiges nicht passte.

So ein Gehabe…  Ich bin der Bestimmer, im Spiel kommts noch viel schlimmer…

Mensch, wenn der Stürmer mal im Abseits stand und nach dem Pfiff „ooch“ sagte, mehr weil er sich über sich selbst ärgerte, muss man doch nicht über den ganzen Platz schreien „noch mal, dann gibt’s gelb“. Dass er dann auch noch dem Falschen drohte, lag in der speziellen Tragik dieses Schiedsrichters.

Oder wenn der Torwart zum Abwehrspieler, ohne dass weit und breit ein Gegenspieler war, mit dem Wort „lass“ den Verteidiger zum Durchlassen des Balles aufforderte… Man, da tut’s doch auch ein ermahnendes Wort, wenn man schon eine derartige Regelauslegung favorisiert… da muss man nicht unbedingt rufen „das nächste Mal gibt’s gelb“

Zu Hause heißt es bestimmt auch: “Wenns morgen wieder Suppe gibt, gibt’s gelb“  und wenn der Nachbar nicht akkurat parkt, hat er am nächsten Tag bestimmt ne gelbe Karte an der Windschutzscheibe.
Wahrscheinlich ruft er auch vor jeder roten Ampel :“Gleich gibt’s gelb.“

Dabei waren alle gut drauf, das Spiel war gut und fair, die Trainer freundlich, die Anhänger beider Mannschaften gut gelaunt…Aber als Musikliebhaber weiß ich ja: wenn die Bläser im Orchester falsch spielen, taugt das ganze Konzert nix. Da können sich die Geiger noch so abmühen.

Mit zunehmender Spieldauer vergaßen unsere Jungs das Fußball spielen. Die einen regten sich auf, einer wollte unbedingt ausgewechselt werden, weil er befürchtete, rot zu kriegen, aber nicht wusste warum.  Die Sensibleren waren richtig eingeschüchtert und gingen möglichen Konflikten mit dem Schiedsrichter aus dem Wege, damit auch Ball und Gegner, waren verunsichert und die Trainer bemühten sich um Contenance.

Als nach dem Spiel weder Trainer noch Spieler seinem belehrenden Referat lauschen wollten, war er etwas mucksch. Mein Lütter, der ja mittlerweile schon ein Großer ist, war den ganzen Tag verärgert und sagte: „So macht Fußball keinen Spaß.“

An dieser Stelle sei einmal allen gedankt, die bei allem Siegeswillen während der Spiele dieser Saison gute Laune verbreitet haben, fair und freundschaftlich miteinander umgegangen sind – dazu gehören Spieler, Trainer,  Zuschauer und Schiedsrichter.